Der Wisent

Der Wisent oder Europäische Bison (Bison bonasus) ist eine Art der Rinder (Bovini) in Europa. Wisente kamen noch bis in das frühe Mittelalter in den Urwäldern von West-, Zentral- und Südosteuropa vor. Ihr Lebensraum sind gemäßigte Laub-, Nadel- und Mischwälder. Diesem Lebensraum entsprechend ist der Wisent als Herdentier nur in kleinen Gruppen anzutreffen. Typische Herden umfassen 12 bis 20 Tiere und bestehen aus Kühen und Jungtieren. Geschlechtsreife Bullen halten sich nur während der Brunftzeit bei den Herden auf. Der nächste Verwandte des Wisents ist der Amerikanische Bison (Bison bison), mit dem er uneingeschränkt kreuzbar ist.

Die Wisent-Population in Europa bestand aus zwei Unterarten: dem Bergwisent (Bison bonasus caucasicus) und dem Flachlandwisent (Bison bonasus bonasus). Der Bergwisent ist ausgestorben und existiert heute lediglich noch als Mischform (Hybride) mit dem Flachlandwisent (Flachland-Kaukasus-Linie). Diese Zuchtlinie geht auf nur einen Bergwisent zurück, den Bullen „Kaukasus“, den letzten reinblütigen Vertreter dieser Unterart. In der Wisentzucht unterscheidet man also zwei Zuchtlinien: die Flachlandlinie (Bison bonasus bonasus) und die Flachland-Kaukasus-Linie, die Kreuzung aus Flachlandwisent und Bergwisent. Jedes reinblütige Tier ist in dem Weltwisentzuchtbuch, das im Białowieża-Nationalpark geführt wird, registriert.

In den 1920er Jahren war der Wisent akut vom Aussterben bedroht; der letzte freilebende Wisent wurde 1927 im Kaukasus geschossen. Alle heute lebenden Wisente stammen von nur zwölf in Zoos und Tiergehegen gepflegten Wisenten ab.[1] Die niedrige genetische Variabilität gilt als eine der wesentlichen Gefahren für den langfristigen Erhalt der Art[2].

Nach Anstrengungen seitens Zoos und Privatpersonen, die Art zu erhalten, konnten die ersten freilebenden Wisentherden 1952 im Gebiet des heutigen Nationalparks Białowieża an der polnisch-weißrussischen Grenze durch Auswilderung wieder angesiedelt werden. 2004 existierten 31 freilebende Populationen in einer Gesamtstärke von 1955 Wisenten. Das entspricht rund 60 Prozent des Weltbestandes.[3]

2013 wurde im nordrhein-westfälischen Rothaargebirge eine acht-köpfige Wisentherde ausgewildert (siehe unten). Damit leben nun erstmals seit einem halben Jahrtausend wieder Wisente frei auf dem Gebiet des heutigen Deutschland.

Die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild erklärte den Wisent für das Jahr 2008 und erneut für das Jahr 2014 zum Tier des Jahres.

Auszug: Wikipedia